100 Jahre Rettungsdienst KSBL

Vom Transport zur mobilen Intensivstation

Pferdewagen des KSBL als Krankentransportmittel ca. 1920

Vor der Einführung der obligatorischen Krankenversicherung mussten die meisten medizinischen Leistungen selbst bezahlt werden. Das galt auch für den Krankentransport. Immerhin: Der Transport mit dem Pferdewagen war in den Anfangszeiten des Krankentransportwesens etwas günstiger als mit dem damals neuartigen Automobil. Nach heutigen Preisen würde ein Transport mit dem Pferdewagen von Läufelfingen nach Liestal, der damals 30 Franken gekostet hat, rund 200 Franken kosten (ca. Faktor 6.6 für die Steigerung der Preise in den letzten 100 Jahren).

 

 

Von der Mühlematt zum Altmarkt: Die erste Rettungswache des KSBL befand sich an der Mühlemattstrasse 36 in Liestal. Mit dem Ausbau des Rettungsdienstes und steigenden Anforderungen an Infrastruktur und Fahrzeugflotte wurde Anfang der 1990er-Jahre ein Standortwechsel notwendig: Der Rettungsdienst zog an die Feldsäge, wo deutlich mehr Platz für Fahrzeuge, Material und Nebenräumlichkeiten zur Verfügung stand.

Ein weiterer Meilenstein folgte Ende 2025 mit dem Umzug an den Standort Altmarkt. Damit wurde die Infrastruktur erneut an die gewachsenen betrieblichen und logistischen Anforderungen angepasst.

Neben dem Hauptstandort in Liestal betreibt das KSBL heute zusätzliche Rettungswachen in Laufen, Gelterkinden und Pratteln und stellt so die regionale Notfallversorgung für das Einsatzgebiet sicher.

 

Krankenwagen des KSBL zwischen Anfang der 1960er bis Ende der 1970er Jahre

Vom Fahrer zum/zur Rettungssanitäter/-in
Bis etwa 1960 bestand der Rettungsdienst meist nur aus einem Fahrer. Patienten/-innen wurden von Angehörigen begleitet oder allein transportiert. Das Ziel war vor allem der rasche Transport ins Spital. In den 1960er-Jahren kam ein zweiter Fahrer hinzu. Unterstützt wurden sie von Hilfskräften aus Technik, Reinigung und später Pflege. Bis in die 1990er-Jahre gab es eine klare Trennung zwischen Fahren und Betreuung. Erst ab den 2000er-Jahren setzte sich ein flexibles Teammodell durch. Heute übernehmen zwei ausgebildete Fachpersonen alle Aufgaben vom Fahren bis zur Patientenversorgung gemeinsam.

 

 

 

Krankenwagen des KSBL in den 1940er und 2020er Jahren

Vom Lieferwagen zur mobilen Behandlung
Zu Beginn war die ausserklinische Versorgung einfach: Krankenwagen waren umgebaute Lieferfahrzeuge und dienten primär dem Transport; die Ausrüstung beschränkte sich auf Trage und Verbandsmaterial, ein Behandlungsraum fehlte. Mit der Zeit entwickelten sich Fahrzeuge, Technik und Ausrüstung weiter. Am KSBL markierte 1990 die Einführung eines modernen Rettungswagens mit medizinischen Geräten den Wendepunkt zur mobilen Versorgung. Heute sind Rettungsfahrzeuge voll ausgestattete Behandlungseinheiten, in denen Patientinnen und Patienten bereits während des Transports gezielt versorgt werden.

 

 

 

Nothelfer des KSBL in den 1970er Jahren und ausgebildete RettungssanitäterInnen in den 2020er Jahren

Vom Nothelferkurs zur eigenen Ausbildung
In den Anfängen verfügten Fahrer und Begleitpersonen meist nur über einen Nothelferkurs. Einen wichtigen Professionalisierungsschritt markierte 1989, als erste Mitarbeitende des KSBL eine formalisierte Ausbildung zum Rettungssanitäter absolvierten. Diese war zunächst theorielastig und dauerte zwei Jahre, wurde Anfang der 1990er-Jahre praxisnäher und auf rund drei Jahre erweitert. 

Daraus entwickelte sich die heutige, klar strukturierte und dual aufgebaute Ausbildung mit national anerkannten Abschlüssen. Seit 2012 bildet das KSBL eigene Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter aus – in Zusammenarbeit mit der Höheren Fachschule für Rettungsberufe Zürich und dem Schweizer Institut für Rettungsmedizin in Nottwil. 

Die Ausbildung verbindet Theorie und Praxis im Rettungsdienst sowie in weiteren medizinischen Bereichen. Der Rettungsdienst des KSBL ist zudem nach IVR-Richtlinien anerkannt und erfüllt hohe Qualitätsstandards.

 

KSBL Notarztwagen 2009 und in den 2020er Jahren

Vom sporadischen zum systematischen Einsatz
In den Anfängen des Rettungsdienstes wurden Notfalleinsätze in der Regel ohne ärztliche Begleitung durchgeführt. Mit dem Aufbau moderner Notfallmedizin in den 1970er- und 1980er-Jahren wurden Ärztinnen und Ärzte aus dem Spital zunehmend bei schweren Einsätzen beigezogen, zunächst meist bei Autobahnunfällen oder auf spezifische Anforderung der Krankentransportfahrer. Bei schweren Unfällen wurde ab den 1990er-Jahren die Rega aufgeboten, wenn es einen Notarzt brauchte. 

Mit der Einführung des ersten Notarztfahrzeugs 2009 setzte sich schrittweise das Rendezvous-System mit einem separaten Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) durch. Dieses ermöglicht einen flexibleren notärztlichen Einsatz und eine schnellere Wiederverfügbarkeit im System. 

Heute erfolgt die Alarmierung von Rettungsmitteln und Notärztinnen und Notärzten auf Basis klar definierter Einsatzkriterien, die bereits bei der Notrufabfrage systematisch angewendet werden.

 

Berufsbekleidung im KSBL-Rettungsdienst zwischen den 1970er und 2020er Jahren

Von Grau zu Blau-Gelb
Die Berufskleidung im Rettungsdienst hat sich im Laufe der Zeit von einfachen Uniformen zu hochfunktionaler Schutzkleidung mit Fokus auf Sicherheit, Sichtbarkeit und Tragekomfort entwickelt. 

Auch beim KSBL veränderte sich die Kleidung im Laufe der Jahre deutlich: Zunächst trugen die Mitarbeitenden eine schlichte graue Hose mit hellgrauem Hemd und einem weissen Kittel. Ab den 1990er-Jahren kam zuerst ein roter Overall hinzu, der später von einem Zweiteiler abgelöst wurde. Der Overall wurde nur für Notfalleinsätze verwendet und ermöglichte es, bei einem Einsatz rasch von der Spital- in die Einsatzkleidung zu wechseln. Die graue Kleidung blieb am Anfang hingegen für den Alltag und für Untersuchungsfahrten weiter im Einsatz. 

2014 erfolgte schliesslich der Wechsel von Rot auf die heute im Rettungsdienst verbreitete blau-gelbe Kleidung mit reflektierenden Elementen.

 

KSBL-Krankenwagen zwischen den 1930er bis 2020er Jahren

Vom Innenumbau zum Koffer-Prinzip
Über lange Zeit basierten Rettungswagen auf serienmässigen Fahrzeugen mit Kastenwagenausbau, bei dem die medizinische Ausrüstung direkt in die Karosserie integriert war. Der Patientenraum blieb dadurch beengt. In den 1970er- und 1980er-Jahren kamen zudem verlängerte Mercedes-Limousinen («Hoch-Lang») zum Einsatz, die zwar komfortabel, aber bei Nutzlast und Platzangebot begrenzt waren. Seit den 2010er-Jahren setzt sich der Kofferaufbau mit mehr Raum, besserer Ergonomie und höherer Sicherheit durch. Dieser ist auch wirtschaftlich vorteilhaft, da er auf neue Fahrgestelle umplatziert werden kann. Das KSBL führte 2016 erstmals ein solches Modell ein.