Medikamentöse Adipositas-Therapie
Die medikamentöse Therapie stellt eine Ergänzung zur konservativen Behandlung der Adipositas dar. Sie kommt zum Einsatz, wenn Lebensstil- und Verhaltens-Massnahmen allein nicht zu einer ausreichenden Gewichtsreduktion geführt haben oder unterstützend sinnvoll sind. Die Therapie ist Teil unseres multimodalen Behandlungskonzepts, das Ernährung, Bewegung, medizinische Begleitung und allenfalls psychosoziale Betreuung vereint
Zielgerichtete Medikation: Wegovy®
Für geeignete Patientinnen und Patienten setzen wir aktuell insbesondere Wegovy® ein – ein Präparat, das den Wirkstoff Semaglutid enthält und gezielt auf Regulation von Hunger und Sättigung wirkt. Der Wirkstoff gehört zur Klasse der GLP-1-Rezeptoragonisten, die das natürliche Sättigungsgefühl verstärken, die Magenentleerung verzögern und so helfen, die Kalorienaufnahme zu reduzieren.
Gut zu wissen
Wegovy® wird einmal wöchentlich als selbstständige subkutane Injektion verabreicht und über einen Pen appliziert. Die Dosierung wird schrittweise gesteigert, um eine gute Verträglichkeit zu gewährleisten. Durch die medikamentöse Unterstützung kann bei vielen Patientinnen und Patienten über die Behandlungsdauer eine klinisch relevante Gewichtsabnahme von ca. 10-15% erzielt werden.
Damit die Grundversicherung die Kosten übernimmt, müssen bestimmte Anforderungen erfüllt werden:
- Vor Start der Therapie: BMI ≥ 35 kg/m² oder ein BMI ≥ 28 kg/m² mit adipositasbedingten Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte).
- Die medikamentöse Therapie muss durch ein Fachärzteteam der Endokrinologie/Diabetologie oder eines spezialisierten Adipositaszentrums verordnet werden.
- Parallel dazu sind regelmässige Ernährungsberatung, eine Umstellung der Ernährung sowie eine dokumentierte Steigerung der körperlichen Aktivität nötig.
- Die Krankenkassen verlangen eine regelmässige Verlaufskontrolle und das Erreichen individuell vereinbarter Therapieziele während der Behandlungsdauer.
Aktuell ist die Kostenübernahme durch die Grundversicherung in der Regel auf ein Programm von bis zu drei Jahren begrenzt, wenn die vorgenannten Kriterien erfüllt werden und eine positive Entwicklung dokumentiert ist.
Die medikamentöse Therapie wird kontinuierlich medizinisch überwacht. Regelmässige ärztliche Konsultationen, Laborkontrollen und Anpassungen der Therapie gehören ebenso dazu wie die enge Zusammenarbeit mit Ernährungs-, Bewegungs- und ggfs. Verhaltenstherapie-Teams. Diese integrierte Betreuung sichert eine optimale Wirkung, minimiert Risiken und unterstützt Sie auf dem Weg zu langfristigen, nachhaltigen Veränderungen.
Das übergeordnete Ziel der medikamentösen Adipositas-Therapie ist nicht nur eine Gewichtsreduktion, sondern vor allem die Verbesserung der metabolischen Gesundheit, die Reduktion von Folgeerkrankungen und eine nachhaltige Steigerung Ihrer Lebensqualität.
Häufige Fragen (FAQ)
Die medikamentöse Adipositas-Therapie ist gemäss den Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) vorgesehen für erwachsene Patientinnen und Patienten mit:
- einem Body-Mass-Index (BMI) ≥ 35 kg/m² oder
- einem BMI ≥ 28 kg/m² in Kombination mit mindestens einer adipositasassoziierten Begleiterkrankung
Im Rahmen der medikamentösen Adipositas-Therapie wird am KSBL aktuell Wegovy® (Semaglutid) eingesetzt. Das Medikament ist in der Schweiz für die Behandlung von Adipositas zugelassen und gemäss BAG-Vorgaben unter definierten Bedingungen erstattungsfähig.
Wegovy® ist ein GLP-1-Rezeptoragonist und wirkt auf zentrale Regulationsmechanismen von Hunger und Sättigung. Die Therapie kann:
- das Hungergefühl reduzieren
- das Sättigungsgefühl verstärken
- die Energieaufnahme senken
Die medikamentöse Wirkung entfaltet sich nur in Kombination mit einer dauerhaften Anpassung des Lebensstils.
Wegovy® wird einmal wöchentlich subkutan mittels Fertigpen injiziert. Die Dosierung erfolgt gemäss zugelassenem Schema mit schrittweiser Dosissteigerung. Die Anwendung erfolgt nach ärztlicher Instruktion selbstständig durch die Patientin oder den Patienten.
Gemäss Studienlage und BAG-Vorgaben kann unter Einhaltung der Therapievoraussetzungen eine klinisch relevante Gewichtsreduktion von ca. 10-15% erreicht werden. Das individuelle Ansprechen variiert und ist unter anderem abhängig von der regelmässigen Anwendung sowie der konsequenten Umsetzung der begleitenden Lebensstilmassnahmen.
Die Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) erfolgt nur bei:
- Erfüllung der BAG-Kriterien
- ärztlicher Verordnung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Endokrinologie/Diabetologie oder Fachärzte eines spezialisierten Adipositaszentrums
- Einbettung in ein strukturiertes Behandlungsprogramm mit:
- regelmässiger Ernährungsberatung
- dokumentierter Ernährungsumstellung
- regelmässiger und dokumentierter körperlicher Aktivität
Die Kostengutsprache muss periodisch erneuert werden und ist an den dokumentierten Therapieerfolg gebunden.
Gemäss aktueller Regelung ist die Vergütung der medikamentösen Therapie im Rahmen der OKP auf ein zeitlich begrenztes Behandlungsprogramm von bis zu drei Jahren ausgerichtet, sofern die definierten Wirksamkeits- und Verlaufskriterien erfüllt sind.
Die Verschreibung sowie die Verlaufskontrolle erfolgen ausschliesslich durch Fachärztinnen und Fachärzte für Endokrinologie/Diabetologie im Rahmen des Adipositaszentrums am KSBL. Die Therapie wird interdisziplinär durchgeführt und bei Bedarf in Zusammenarbeit mit der bariatrischen Chirurgie ergänzt.
Nicht alle Patientinnen und Patienten erfüllen die Voraussetzungen für eine medikamentöse Therapie. Eine sorgfältige medizinische Abklärung ist erforderlich. Bei fehlendem Therapieerfolg oder relevanten Nebenwirkungen kann die Behandlung gemäss BAG-Vorgaben beendet werden.
Die medikamentöse Therapie kann je nach individueller Situation eine Alternative, Vorbereitung oder Ergänzung zur bariatrischen Chirurgie darstellen. Die Entscheidung erfolgt im interdisziplinären Team des Adipositaszentrums.
Da Adipositas eine chronische Erkrankung ist, bleiben auch nach Abschluss der medikamentösen Therapie dauerhafte Lebensstil-Massnahmen und regelmässige medizinische Kontrollen entscheidend für den langfristigen Therapieerfolg.