30. November 2022

Wenn der Atem stockt - Lungenkollaps

Ein Stechen in der Brust und Mühe beim Atmen: Was bei älteren Menschen ein Warnzeichen für einen Herzinfarkt ist, kann bei Jüngeren auf einen Lungenkollaps hindeuten. Die seltene Krankheit lässt sich aber gut behandeln.

Als der junge Mann im Notfall am Kantonsspital Baselland (KSBL) eintrifft, klagt er über Schmerzen im Brustkorb und hat Mühe, tief einzuatmen. Und ja, er sei starker Raucher und kiffe gelegentlich, sagt er auf die Frage von Christoph Zeisel. Der Leitende Arzt der Thoraxchirurgie im Notfalldienst hat schnell einen Verdacht, was dem 22-Jährigen fehlen könnte. Auf dem Röntgenbild bestätigt sich: Ein Teil des linken Lungenflügels ist in sich zusammengefallen – ein sogenannter Lungenkollaps. «Es tönt dramatischer, als es ist. Wenn junge Menschen ansonsten gesund sind, können sie auch mit nur einem Lungenflügel oft problemlos atmen», sagt Zeisel. Manche Betroffene spüren denn auch kaum Beschwerden. Bemerkt man aber Symptome wie Atemnot und Brustschmerzen, ist dies verunsichernd und Grund genug, einen Arzt, eine Ärztin oder den Spitalnotfall aufzusuchen.

Kollabierender Lungenflügel

Bei einem Lungenkollaps dringt Luft in den Spalt zwischen Lunge und Brustkorb. Dort herrscht normalerweise ein Unterdruck, der die Lunge in ihrer Form hält. Dringt Luft ein, fällt der Lungenflügel auf der entsprechenden Seite teilweise oder ganz in sich zusammen. Oft tritt ein Lungenkollaps bei Menschen auf, deren Lunge ansonsten gesund ist. Auffallend häufig sind schlanke, grossgewachsene junge Männer betroffen. Man vermutet, dass ihr Lungengewebe weniger stabil ist, weil ihr Körper schnell gewachsen ist. Zu den Risikofaktoren gehören zudem das Rauchen von Tabak und Cannabis, weil dabei das Lungengewebe geschädigt und dadurch anfälliger wird.

Luft absaugen

Ein Lungenkollaps ist in der Regel gut behandelbar. Sind die Beschwerden nur schwach und befindet sich nur wenig Luft zwischen Lunge und Brustkorb, kann abgewartet werden, bis der Körper die Luft selber wieder abbaut. Dazu bleiben die Betroffenen einige Tage zur Beobachtung im Spital. Sind die Symptome oder die Luftansammlung ausgeprägter, wird diese mit einem Schlauch abgesaugt – eine sogenannte Drainage. In seltenen Fällen genügt dies nicht und eine Brustkorbspiegelung ist nötig, damit die Lunge sich wieder ausdehnt. Dabei kommen Thoraxchirurginnen und -chirurgen wie Christoph Zeisel zum Einsatz. Er bespricht mit den Betroffenen zudem immer einen wichtigen Aspekt: Nach einem ersten Lungenkollaps besteht ein Risiko von rund 25 Prozent, einen weiteren zu erleiden. «Mit einer Operation kann man dieses Risiko fast auf Null senken», sagt Zeisel. Dabei wird der Spalt zwischen Lunge und Brustkorb operativ verklebt, sodass keine Luft mehr eindringen kann. Spätestens bei einem zweiten Lungenkollaps wird diese Behandlung dringend empfohlen, um weitere Vorfälle zu verhindern. Die Operation erzielt sehr gute Erfolge. Einen anderen wichtigen Rat gibt der Leitende Arzt bereits nach einem ersten Lungenkollaps mit: aufs Tauchen verzichten und mit Rauchen aufhören. Der 22-jährige Mann, der mit Atemnot auf die Notfallstation des KSBL kam, konnte nach vier Tagen und einer letzten Röntgenkontrolle wieder nach Hause. Auf einen operativen Eingriff verzichtete er, nahm sich aber den Rat zu Herzen und lässt seither Zigaretten und Joints beiseite.

Was ist ein Lungenkollaps?

Bei einem Lungenkollaps (Pneumothorax) dringt Luft in den Spalt zwischen Lunge und Brustkorb – den sogenannten Pleuraspalt. Die Luft kann entweder von aussen – etwa durch eine Stichverletzung – dorthin gelangen, oder aber von innen durch ein Loch in der Lunge. Ein solches entsteht etwa, wenn Lungenbläschen platzen. Die Bläschen sind in der Lunge für den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zuständig. Insbesondere bei Raucherinnen und Rauchern sind sie zum Teil beschädigt, was die Gefahr erhöht, dass sie platzen und kurzfristig ein Loch in der Lungenwand entstehen lassen. Neben jungen, ansonsten gesunden Männern sind vor allem ältere Personen mit Vorerkrankungen der Lunge von einem Lungenkollaps betroffen. Zusätzlich zur akuten Behandlung ist hier die enge Zusammenarbeit mit den Spezialistinnen und Spezialisten der Pneumologie wichtig, um die ursächliche Lungenkrankheit zu behandeln.  


Symptome erkennen

Typisch bei einem Lungenkollaps sind Schmerzen in der Brust und das Gefühl, nicht tief einatmen zu können. Bei älteren Personen kann dies auf einen Herzinfarkt hindeuten. Bei jüngeren Menschen ist ein Lungenkollaps wahrscheinlicher. Wer solche Symptome hat, sollte sich in die Notaufnahme eines Spitals fahren lassen. Junge Personen mit starken Beschwerden und ältere Menschen sollten den Notruf 144 wählen. Verschlimmern sich die Beschwerden mit jedem Atemzug, könnte eine sehr seltene, lebensbedrohende Form eines Lungenkollapses vorliegen – dann gilt es, sofort die Rettung zu alarmieren.  

Dr. med. univ. Christoph Zeisel
Facharzt für Herz- und thorakale Gefässchirurgie / Facharzt für Chirurgie
Leitender Arzt

Tel. +41 (0)61 925 27 20
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Kantonsspital Baselland
Klinik Gefäss- & Thoraxchirurgie
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gefaesschirurgie@ksbl.ch
www.ksbl.ch/gefaesschirurgie


Der Beitrag ist im Gesundheitsmagazin medizin aktuell des KSBL erschienen.

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