02. März 2023

Internes Kompetenzzentrum für Forschende

Das «Universitäre Zentrum Innere Medizin» ist das grösste Zentrum des KSBL. Viele verschiedene Disziplinen arbeiten hier Hand in Hand. Auch über die Forschung ist das Universitäre Zentrum intensivst mit den Schweizer Universitäts- wie auch verschiedenen Kantonsspitälern vernetzt. Im Auftrag der Universität Basel forscht und lehrt Prof. Jörg Leuppi mit seiner Forschungsgruppe am KSBL. Er erhofft sich von der Zentrenbildung eine gestärkte interdisziplinäre und interprofessionelle Forschung.

Das Team v.l.n.r. Christine Zobrist (Leitende Ärztin Palliative Care), Dr. med. David Winkler (Leiter Neurologie), Prof. Dr. Philip Tarr (Co-Chefarzt, Leiter Allgem. Innere Medizin Bruderholz, Leiter Infektiologie), Karin Rippstein-Leuenberger (Pflegeexpertin MScN), PD Dr. Eliška Potluková (Chefärztin Klinik Innere Medizin), Christina Herz (Zentrumsmanagerin), Prof. Dr. Jörg Leuppi (Leiter Zentrum), Dr. med. Felix Burkhalter (Leiter Nephrologie), Dr. med. Mario Bianchetti (Chefarzt, Leiter Allgem. Innere Medizin Liestal), Dr. med. Fabian Meienberg (Leiter Endokrinologie & Diabetologie)

Das Universitäre Zentrum Innere Medizin in Liestal ist das «Herz» des Kantonsspitals Baselland und bietet den Menschen im Einzugsgebiet ein breites medizinisches Angebot. Es vereint viele wichtige Disziplinen der Inneren Medizin: von der Allgemeinen Inneren Medizin über die Neurologie bis hin zur Palliative Care (siehe Infokasten). Dank der neuen Zentrenbildung des KSBL arbeiten die Ärztinnen und Ärzte der unterschiedlichen Disziplinen eng zusammen. Je nach Krankheitsbild eines Patienten bzw. einer Patientin stellt das Universitäre Zentrum andere Behandlungsteams zusammen. «Dies erlaubt uns, die Menschen, die zu uns kommen, enger und effizienter auf ihrem Genesungsweg zu begleiten», sagt Prof. Jörg Leuppi, Chief Medical Officer (CMO) des KSBL und Leiter des Zentrums. Leuppi selbst ist Allgemeininternist und Pneumologe. Er ist überzeugt, dass das gemeinsame Know-how nicht nur schnellere und exaktere Diagnosen, sondern auch bessere Therapiebegleitungen ermöglicht. 
Das Universitäre Zentrum Innere Medizin arbeitet nicht nur innerhalb des Zentrums engmaschig interdisziplinär, sondern ist mit seinen Abteilungen der Allgemeinen Inneren Medizin in anderen Zentren verankert und damit sehr aktiv. «Dies ist wichtig, denn viele unserer Patientinnen und Patienten leiden gleichzeitig an mehreren Krankheiten.» Behandelt das Zentrum also beispielsweise einen Patienten mit einem entgleisten Diabetes, der wegen Gefässveränderungen Blutplättchenhemmer nehmen muss und aus dem Darm zu bluten beginnt, zieht das Team auch Spezialisten des Zentrums Bauch bei. «Gerade Patientinnen und Patienten, die gleichzeitig an mehreren Krankheiten leiden, profitieren enorm von diesem engen Austausch», sagt Leuppi.  

Gemeinsame Forschung fördern

Das Universitäre Zentrum Innere Medizin versteht sich auch punkto Forschung als interdisziplinäre wie auch interprofessionelle Drehscheibe des KSBL. Leuppi hat einen Lehrstuhl für Innere Medizin an der Universität Basel inne, eine sogenannte «strukturierte» bzw. «klinische» Professur. Das KSBL steht daher auch in direkter Verbindung mit der Forschung und Lehre des Universitätsspitals Basel. Leuppis Forschungsgruppe im KSBL entwickelt und beteiligt sich an nationale/-n sowie internationale/-n Studien. Somit können Ärztinnen und Ärzte, aber auch andere Forschende im Gesundheitswesen, ihre Dissertationen am Universitären Zentrum Innere Medizin schreiben. 


Geforscht und gelehrt wird nicht nur am Universitären Zentrum, sondern an allen Zentren und Kliniken des KSBL, oft gemeinsam mit anderen Kantons- oder Universitätsspitälern wie auch Hausärzt/-innen. Leuppi erhofft sich, dass durch die Zentrenbildung am KSBL auch die interdisziplinäre und interprofessionelle Forschungszusammenarbeit vereinfacht und gestärkt wird. «Es ist wichtig, dass wir auch Fragen angehen, die über den eigenen Gartenhag hinauszielen.» Mit der neuen Spitalstruktur wolle die KSBL-Leitung sowohl die gemeinsame Forschungstätigkeit innerhalb der Disziplinen eines Zentrums wie auch jene unter den Zentren fördern. Teilweise werde dies bereits heute intensiv gemacht, so Leuppi weiter. So forschten die Ärztinnen und Ärzte der Gastroenterologie und der Viszeralchirurgie seit langem gemeinsam. Auch mit der Akutgeriatrie der Klinik Altersmedizin oder der Frauenklink bestehen Forschungszusammenarbeiten. Eine verstärkte Zusammenarbeit führe nicht nur zu neuen Fragen und mehr Ressourcen, sondern vergrössere auch den Spielraum für Forschende, sagt Leuppi: «Der Patientenpool steigt erheblich, wenn verschiedene Disziplinen zusammenspannen.» 

Forschungsplattform für alle Zentren

Als Forschungskompetenzzentrum unterstützt das Universitäre Zentrum Innere Medizin alle Disziplinen des KSBL bei deren Forschungsarbeit. Die anderen Zentren können die Dienstleistungen, also beispielsweise das Fachwissen einer Statistikerin oder die praktische Unterstützung durch eine «Study Nurse» buchen und in Anspruch nehmen. «Wir verstehen uns als Forschungsplattform, die mit ihrem Netzwerk allen Zentren zur Verfügung steht.» Das gemeinsame Forschen ist Leuppi ein grosses Anliegen. Grundsätzlich stünden die einzelnen Studien am KSBL viel weniger in gegenseitiger Konkurrenz, wie dies an den grossen Universitätspitälern oft der Fall sei. «Gerade weil die Anzahl Studien bei uns überschaubar ist, gibt es weniger Hürden und mehr gegenseitige Unterstützung. Dies ermöglicht oft sehr schnelle Studienresultate.» 
In der Inneren Medizin lag der Forschungsschwerpunkt des KSBL bisher auf dem Erforschen von Lungenkrankheiten. Seit einigen Jahren beschäftigt sich Leuppis Forschungsgruppe zunehmend mit disziplinenübergreifenden Fragestellungen insbesondere der medizinischen Qualität. «Wie gut ist unser medizinisches Handeln? Diese Frage steht immer stärker im Fokus», sagt der Zentrumsleiter. Erhalten Patientinnen mit Lungenentzündung eine Behandlung nach den gängigen Leitlinien? Wie können Ärzt/-innen Patienten im Notfall zu ihren Reanimationsvorstellungen ansprechen? Veranlassen wir im Alltag unnötige Therapien oder diagnostische Analysen wie etwa zu viele Bluttests? Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Art der Knieoperation und allfälligen bleibenden Schmerzen? «Das internationale Interesse an solchen Studien ist gross», sagt Leuppi. Und nicht zuletzt profitiere auch das Spital von dieser «wissenschaftlich fundierten Qualitätssicherung». 

«Eine Diagnose bedeutet oft Detektivarbeit»

Eliška Potluková ist Chefärztin der Klinik Innere Medizin am Universitären Zentrum Innere Medizin. Im Interview spricht sie über ihre Liebe zum Ärzteberuf. Und über die Chancen des aktuellen Veränderungsprozesses am KSBL.


INTERVIEW «IM GESPRÄCH MIT…»

Frau Potluková, Sie arbeiten seit Januar 2023 am neu aufgestellten Universitären Zentrum Innere Medizin. Wie sind Sie in Ihren Job als Chefärztin der Klinik Innere Medizin gestartet?

Der Job als Chefärztin macht mir sehr viel Freude. Ich kann konkret beeinflussen, wie sich die Medizin entwickelt und auch die Weiterbildung direkt fördern. Das motiviert mich sehr – insbesondere in der aktuellen Umbruchsphase.

Sie sprechen die Zentrenbildung des KSBL an, die auf eine engere Zusammenarbeit des gesamten Gesundheitspersonals setzt. Inwiefern wird die Medizin dadurch besser?

Im Spital sind wir es gewohnt, sehr interdisziplinär und interprofessionell zu arbeiten – dies ist an sich nicht neu. Auch das KSBL hat bereits vorher eine engmaschige Co-Betreuung durch Spezialärzt/-innen, Pflege, Ergo-, Logo-, Physiotherapie, Sozialarbeiterinnen und Case Manager/-innen etc. angeboten. Mit der neuen Struktur ist diese enge Zusammenarbeit nun institutionalisiert und fest verankert worden. Wir sind heute verpflichtet, uns regelmässig mit anderen Spezialistinnen, Pflegefachpersonen und Therapeuten zu treffen und auszutauschen. Auch ist nun die Pflege Teil des Führungsgremiums. All dies erleichtert uns, die Prozesse rund um Diagnose, Behandlung und Therapie zu verbessern und am Spitalbett schneller komplexe Entscheidungen zu treffen. Daher: Ja, die Zentrenbildung wird den Behandlungsprozess verbessern – insbesondere bei den vielen multimorbiden Patientinnen und Patienten am KSBL. 

Eingespielte Strukturen sind oft nur schwer zu durchbrechen. Wie gehen Sie den «Change» in der Klinik Innere Medizin an?

Aktuell sind zwei Monate hinter uns. Wir sammeln Erfahrungen, evaluieren und optimieren die neuen Prozesse gemeinsam mit den anderen Zentren sowie der Geschäftsleitung. Und wir suchen Lösungen für Herausforderungen. Grundsätzlich bleibt unsere Arbeit am Patientenbett aber die gleiche. 

Wie nehmen Sie die Stimmung in «Ihrem» Zentrum wahr?

Ganz ehrlich: sehr gut! Wir lachen viel an den Rapporten, und es macht grosse Freude, hier zu arbeiten. Eine Reorganisation führt aber sicher auch zu Verunsicherung, das ist ganz normal. Es ist nun meine Aufgabe, Sicherheit zu vermitteln und Ruhe in den Arbeitsalltag zu bringen.

Noch eine persönliche Frage: Was gefällt Ihnen an Ihrem Job besonders?

Ich liebe meine Arbeit als Ärztin! Mit ihrer extremen Breite ist die Innere Medizin die Königsdisziplin. Wir brauchen enorm viel Vorwissen, denn wir beurteilen und behandeln den Menschen als «Ganzes». Gerade bei multimorbiden Menschen ist eine Diagnose oft richtiggehende Detektivarbeit. Als Chefärztin treten nun Führungsaufgaben sowie die Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte in den Vordergrund meines Arbeitsalltags. Doch ich bin nach wie vor regelmässig am Spitalbett. Es ist sehr befriedigend, so vielen Menschen – Patientinnen und Patientinnen wie auch Mitarbeitenden – zu mehr Wohlbefinden verhelfen zu dürfen.


Das Universitäre Zentrum Innere Medizin

Das Universitäre Zentrum Innere Medizin in Liestal ist das «Herz» des KSBL. In der Klinik Innere Medizin unter der Leitung von PD Dr. med. Eliska Potluková (siehe Interview «Im Gespräch mit …») sind die neben der Allgemeinen Inneren Medizin folgende Disziplinen angesiedelt: 

  • In der Diabetologie & Endokrinologie finden Menschen mit Diabetes oder hormonellen Erkrankungen Hilfe.
  • Infektiologen diagnostizieren und behandeln Erkrankungen durch Viren, Bakterien, Pilze oder andere Krankheitserreger.
  • Die Nephrologie beschäftigt sich mit Nierenerkrankungen sowie Bluthochdruck.
  • In die Neurologiegelangen Menschen mit Störungen und Krankheiten des Nervensystems, wie etwa Epilepsie.
  • In der Palliative Care werden Menschen mit unheilbaren Krankheiten bis ans Lebensende betreut und begleitet.

Lesen Sie auch unseren Beitrag zu der Zentrenbildung.


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