12. Dezember 2019

Kinderkrebs - Nachsorge

Aufgrund der möglichen vielfältigen Spätfolgen der intensiven Therapie ist die Nachsorge bei Menschen, die im Kindes- und Jugendalter an Krebs erkrankt sind, besonders wichtig. Das Kantonsspital bietet in Liestal eine spezielle interdisziplinäre Sprechstunde an.

Eine Krebsbehandlung ist immer eine grosse physische und psychische Belastung – wer das in jungen Jahren durchleben muss, dessen Körper bleibt auf Dauer verletzlicher, und der innere Alterungsprozess setzt etwa 10 bis 20 Jahre früher ein. Im Verlauf des Älterwerdens kann es, verursacht durch die frühere Chemotherapie und Bestrahlung, zu Spätfolgen unterschiedlichster Art kommen. «Oft sind wir in der Behandlung gezwungen, an die Grenzen dessen zu gehen, was der kindliche Organismus ertragen kann», sagt Dr. med. Eva Maria Tinner, Kinderonkologin und -hämatologin am Inselspital Bern und Koordinatorin der Nachsorgesprechstunde am Kantonsspital Baselland in Liestal. «Auch wenn Kinder eine hohe Regenerationsfähigkeit haben: Heute weiss man, dass diese Therapien Spätfolgen verursachen können. Deren Art, Häufigkeit und Schwere hängt von der Therapie und von individuellen Risikofaktoren ab.» Alle Organe können betroffen sein. Es kann beispielsweise zu Herzproblemen, Lungenfehlfunktionen, Leber- oder Nierenproblemen kommen. Oder zu hormonellen Störungen und dem Verlust der Fruchtbarkeit. Auch Ängste, Depressionen und chronische Erschöpfung können auftreten. Im Laufe des Lebens nimmt die Häufigkeit der Spätfolgen zu. Langzeitüberlebende von Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter brauchen daher eine lebenslange Nachsorge. Seit zwei Jahren können Betroffene im Kantonsspital Baselland von einer Nachsorgesprechstunde profitieren, unabhängig davon, an welcher Klinik ihre Krebsbehandlung erfolgte.

Interdisziplinäre Nachsorge

Um Risiken und Spätfolgen richtig einschätzen zu können, wird eine qualifizierte und differenzierte medizinische Nachsorge empfohlen. In Liestal bestimmt ein interdisziplinäres Team aus Kinderonkologen und Internisten, welche Untersuchungen nötig sind. Das Ziel ist es, Spätfolgen möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, um schwerere Komplikationen zu verhindern. Wird zum Beispiel eine Herzinsuffizienz rechtzeitig diagnostiziert, dann kann das Herz medikamentös entlastet werden, sodass Betroffene im Alltag ein normales Leben führen können. Wird eine solche Beeinträchtigung zu spät bemerkt, kann auch die beste Intervention keine normale Leistungsfähigkeit mehr bewirken. Bei gewissen Krebsarten sind wegen des erhöhten Risikos für Zweittumore auch frühzeitige Screening-Untersuchungen notwendig. Alle Nachsorge-Untersuchungsergebnisse und Empfehlungen zu potenziellen Risiken werden auf dem individuellen, jederzeit online abrufbaren «Passport for Care®» gespeichert. Auf Wunsch wird auch eine soziale Begleitung vermittelt.


Kinderkrebs

In der Schweiz erkranken jährlich etwa 250 Kinder und Jugendliche an Krebs. Ihre Heilungschancen betragen über 80 Prozent. Hierzulande leben etwa 5000 Menschen, die im Kindes- oder Jugendalter eine Krebserkrankung hatten.


Nachsorgesprechstunde Liestal

Die Leistungen der interdisziplinären Langzeitnachsorge-Sprechstunde sind durch die Krankenkassen anerkannt. Die Sprechstunde steht erwachsenen, in der Schweiz versicherten Patienten offen, die als Kind oder Jugendliche eine onkologische Erkrankung hatten.

Sprechstunde

Jeweils Dienstag von 8.30–12 Uhr und 13–16 Uhr
Tel. 061 925 34 35.
Bevorzugt wird die Anmeldung via Mail an nachsorge@ksbl.ch


 

Die Auskunftsperson

Dr. med. Eva Maria Tinner
Fachärztin für Kinder und Jugendmedizin
FMH, Schwerpunkt Pädiatrische
Onkologie-Hämatologie
Kinderonkologin und -hämatologin

Kontakt
Kantonsspital Baselland
Medizinische Universitätsklinik
Endokrinologie/Forschung Medizin
Rheinstrasse 26, 4410 Liestal
Tel. 061 925 34 35
nachsorge@ksbl.ch


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