20. Mai 2021

Immer am Ball bleiben

Der Orthopäde Dr. Julian Röhm betreut als Teamarzt die Schweizer Handball-Nationalmannschaft der Männer. Auch am Kantonsspital Baselland (KSBL) sind verletzte Sportlerinnen und Sportler bei ihm an der richtigen Adresse.

Verteidigung, Pass und Wurf aufs Tor. Julian Röhm muss vom Spielfeldrand aus möglichst jeden Spielzug der Handballer mitbekommen. Seit drei Jahren ist er einer der Teamärzte der Schweizer Handball-Nationalmannschaft der Männer. Verletzt sich ein Spieler, ist es für den Orthopäden und Sportmediziner enorm wichtig, dass er den Unfallhergang gesehen hat. Dies, die Schmerzangabe des Spielers und eine kurze körperliche Untersuchung müssen für die Diagnose reichen. Denn Schiedsrichter und Trainer wollen blitzschnell wissen, ob ein Spieler ausgewechselt werden muss. «In dieser Situation herrscht Adrenalin pur», sagt Röhm. Keine ungewohnte Situation für ihn: In seiner Haupttätigkeit ist er als Oberarzt in der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSBL tätig. Hat er Notfalldienst, kümmert er sich um die ganze Palette an Gelenksverletzungen. Ansonsten widmet er sich in den Sprechstunden und im Operationssaal ganz seinem Spezialgebiet – dem Kniegelenk. Die Spezialsprechstunde für Kniechirurgie und Sportorthopädie richtet sich an Menschen mit Verletzungen sowohl aus dem Profi- wie Breitensport. «Sowohl während eines Handballspiels als auch in einer Operation muss ich hellwach sein und schnelle Entscheidungen treffen», vergleicht er die beiden Tätigkeiten.

 

«Beim Spiel wie bei einer Operation muss ich hellwach sein und schnelle Entscheidungen treffen.»

 

Mit Sport aufgewachsen

Dass Julian Röhm Arzt geworden ist, hat ebenfalls mit dem Sport zu tun. Sein Vater war Sportlehrer und hat ihn mit verschiedenen Sportarten vertraut gemacht. Als Kunstturner und Zehnkämpfer wuchs bei Julian Röhm die Faszination für den Körper und seine Trainierbarkeit. So entschied er sich für das Medizinstudium in Tübingen und verbrachte bereits sein letztes Studienjahr am damaligen Kantonsspital Laufen. Seither ist er dem KSBL treu geblieben. Dass er 2018 als Teamarzt der Handballer angefragt wurde, ist kein Zufall. Er hat sich als Sportmediziner weitergebildet und hat zuvor bereits American-Football- Spiele der «Basel Gladiators » betreut. Etwa vier bis fünf Wochen pro Jahr kommt die Handball-Nationalmannschaft zusammen. Julian Röhm betreut sie dabei etwa ein bis zwei Wochen. Nach Skandinavien, Belgien, Kroatien und Serbien hat er das Team schon zu Länderspielen begleitet. Bei einem Zwischenfall während des Spiels begibt sich zuerst ein Physiotherapeut oder eine Physiotherapeutin zum Spieler und ruft den Teamarzt nur bei einer gravierenden Verletzung. «Das kommt zum Glück nur etwa in jedem zehnten Spiel vor», sagt Julian Röhm. Dann ist Fingerspitzengefühl gefragt. Für den Teamarzt steht die Gesundheit des Athleten im Vordergrund, die Spieler wollen meist unbedingt weiterspielen. «Bisher sind wir uns bei der Absprache zwischen Spieler, Trainer und Teamarzt aber noch immer einig geworden», erzählt er.

Prävention ist zentral

Als dynamische Ballsportart auf einem kleinen Spielfeld birgt Handball ein relativ hohes Verletzungsrisiko. Die ständigen Sprünge belasten vor allem Knie und Sprunggelenk. Umso wichtiger ist ein gezieltes Aufbau- und Präventionstraining. Auch hier lässt Julian Röhm im Kontakt mit den Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen sein orthopädisches Fachwissen einfliessen. Im Januar herrschte bei den Handballern Aufbruchstimmung. Erstmals nach 26 Jahren konnte die «Nati» wieder an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. Für Julian Röhm kam die Anfrage zur Begleitung zu kurzfristig. Aber eine nächste Gelegenheit kommt hoffentlich bald wieder. Wie immer bei Auslandreisen wird er den Arztkoffer mitnehmen und sich vorgängig über die Lage des Hotels, des Spielorts und des nächstgelegenen Spitals informieren – und hoffen, dass es Letzteres nicht braucht.


Der Beitrag ist im Magazin «medizin aktuell», Ausgabe Nr. 7, Mai 2021, zu finden.

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Dr. med. Julian Röhm
Facharzt Orthopädische Chirurgie u. Traumatologie des Bewegungsapparates FMH
Oberarzt
Kniechirurgie und Sportorthopädie

Tel. +41 (0)61 436 27 42
Mail


Kantonsspital Baselland
Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates
T +41 (0)61 436 26 97
sport@ksbl.ch
www.ksbl.ch/sportorthopaedie


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