25. Mai 2022

Erfolgreiche Arthrosebehandlung

«Es ist wie ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl.»
Vreni Rebmann hat Arthrose in verschiedenen Gelenken. Zuletzt war sie wegen ihres Handgelenks im Alltag stark eingeschränkt. Im Kantonsspital Baselland wurde das Gelenk durch ein Implantat ersetzt. Heute ist die Patientin wieder voller Tatendrang.

Symbolbild, Quelle istock

Vreni Rebmann strahlt. Die 71-Jährige erzählt, wie sie ihre Enkelkinder mehrmals pro Woche betreut, für sie kocht und mit ihnen bastelt. Sie backt auch leidenschaftlich gerne, besonders Änisbrötli: Über 500 «Mödeli» hat sie dafür. Sie erledigt ihren Haushalt selbstständig und arbeitet in ihrem grossen Garten. Wenn jemand ihre Unterstützung braucht, hilft sie gerne.

Starke Einschränkungen

Selbstverständlich ist das alles nicht. Denn Vreni Rebmann lebt mit verschiedenen körperlichen Einschränkungen. Unter anderem entwickelte sie im Laufe der Zeit in mehreren Gelenken Arthrose. Betroffen waren beide Daumensattelgelenke und ein Fussgelenk.

Zuletzt schränkte das rechte Handgelenk sie immer stärker ein: Die Rechtshänderin hatte starke Schmerzen und konnte die Hand immer schlechter bewegen und gebrauchen. «Diese Symptome, egal in welchem Gelenk, sind typisch für Arthrose», sagt Philipp Honigmann, Handchirurg und Leitender Arzt an der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparats am KSBL. «Oft kommen Betroffene erst dann zu uns, wenn sie ihre Schmerzen nicht mehr aushalten », berichtet der Handspezialist. Er empfiehlt, die Ursachen von Gelenkschmerzen frühzeitig abklären zu lassen. «Dann kann man rechtzeitig verhindern, dass die Erkrankung weiter fortschreitet », sagt er. Zudem ist es bei einer frühen Diagnose möglich, die Symptome zu lindern. Rückgängig machen lassen sich die Gelenkschäden allerdings nicht. «So weit sind wir noch nicht», sagt der Arzt, der auf diesem Gebiet forscht.

Vielfältige Ursachen

Konkrete Auslöser von Arthrose sind nach Erfahrung des Mediziners rheumatische und nicht rheumatische Entzündungen oder Verletzungen an Knochen oder Bändern im Bereich der Gelenke. «Arthrose kann auch eine Spätfolge von Unfallverletzungen sein», weiss Dr. Honigmann. Auch Bagatellverletzungen, die die Betroffenen kaum wahrnehmen, können dazu führen, dass Gelenke instabil und in der Folge stärker abgenutzt werden. Der Handspezialist vermutet, dass auch bei Frau Rebmann eine Bandverletzung im Handgelenk in jüngeren Jahren zur Arthrose geführt hat.

Auch genetische Veranlagung, zunehmendes Lebensalter und Knochenfehlstellungen können begünstigen, dass Arthrose entsteht. Zusätzlich können Lebensstil und Ernährung Einfluss haben. Ebenso das Bewegungsverhalten: Da Gelenke nur durch genügend Bewegung mit Nährstoffen versorgt werden, leiden sie bei Bewegungsmangel. In den Sprechstunden am Zentrum für den Bewegungsapparat des KSBL klären Fachärztinnen und -ärzte gemeinsam mit Ergo- und Physiotherapeutinnen und -therapeuten Arthrose-Betroffene ab und arbeiten auch bei deren Therapie eng zusammen. «Dank unseres interdisziplinären Ansatzes können wir am KSBL eine allumfassende Behandlung anbieten», sagt Dr. Honigmann.


Was ist Arthrose?

Arthrose ist eine Gelenkerkrankung: Knorpel und später auch Knochen zeigen Abnutzungserscheinungen und sind oftmals zusätzlich entzündet. Die Krankheit kann zu Bewegungseinschränkungen und starken Schmerzen führen. Auftreten kann Arthrose grundsätzlich in allen Gelenken. Frauen erkranken häufiger als Männer. Die Wahrscheinlichkeit, diese Erkrankung zu entwickeln, nimmt mit dem Alter zu. Sie ist heute nicht heilbar. Allerdings ist es möglich, die Symptome zu lindern und den Verlauf aufzuhalten.


 

Lebensqualität ist entscheidend

Bei der Wahl einer geeigneten Therapie stehen stets die Lebensqualität der einzelnen Betroffenen und deren Bedürfnisse im Zentrum. Diese können sich je nach Alter, Lebensumständen und individuellen Erwartungen stark unterscheiden: «Jüngere wollen weiterhin Sport machen, laufen, klettern», weiss Dr. Honigmann. «Bei Älteren ist der Erhalt von Mobilität und Selbstständigkeit das A und O.»

Vreni Rebmann hat sich mit der Arthrose in den verschiedenen Gelenken im KSBL stets gut aufgehoben gefühlt. Ihre Daumensattelgelenke wurden mithilfe einer Operation wieder einsatzfähig. In der Ergotherapie lernte sie, ihre Hände gelenkschonend zu gebrauchen. Ihr ebenfalls von Arthrose betroffener Fuss wurde mit Implantaten versteift. Gegen die anhaltenden Schmerzen helfen Medikamente. Am Handgelenk trug sie zunächst nachts eine Schiene. Doch nach einem Sturz auf das arthrotische Handgelenk wurden die Schmerzen immer schlimmer. Versteifen lassen wollte sie das Gelenk nicht: «Ich brauche eine Hand, die ich wirklich benutzen kann.» Von Philipp Honigmann ausführlich beraten, entschied sich Frau Rebmann stattdessen für einen Gelenkersatz. Patientin und Arzt waren sich bewusst, dass es bei einer solchen Operation keine Erfolgsgarantie gibt. «Ein Gelenkersatz ist kein Reifenwechsel », betont der Spezialist. Umso zufriedener sind beide mit dem Resultat. Vreni Rebmann kann ihre Hand heute mit der Prothese – die, anders als das natürliche Handgelenk, ein Kugelgelenk ist – wieder «rundum bewegen». Das künstliche Gelenk macht bisher alles mit, was die aktive Seniorin damit tut. «Ich bin sehr glücklich», sagt Vreni Rebmann. «Das neue Gelenk ist für mich wie ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl.» 

«Dank unseres interdisziplinären Ansatzes können wir eine allumfassende Behandlung anbieten.»

PD Dr. med. Philipp Honigmann
Facharzt für Handchirurgie / Facharzt für Chirurgie
Leitender Arzt
Teamleiter Hand- und periphere Nervenchirurgie

Tel. +41 (0)61 925 31 58
Mail


Zentrum für den Bewegungsapparat

Die Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates ist einer der medizinischen Schwerpunkte am KSBL. Mit ihrem umfassenden interdisziplinären Angebot zählt sie zu den grössten orthopädischen Zentren der Schweiz. Unabhängig davon, welches Gelenk betroffen ist und ob eine ambulante oder stationäre Behandlung notwendig ist: Am KSBL stehen Ihnen für Ihre Anliegen erfahrene und kompetente Fachexpertinnen und -experten zur Verfügung. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Internetseite.

Klinik für Orthopädie und Traumatologie
des Bewegungsapparates
T +41 (0)61 436 21 99
hand@ksbl.ch
www.ksbl.ch/orthopaedie


Der Artikel ist in der KSBL-Gesundheitszeitung medizin aktuell, Ausgabe Mai 2022 erschienen.

Version E-Book


Kommentare

Noch Zeichen möglich

Seien Sie die erste Person, die diesen Beitrag kommentiert!