25. Mai 2022

Brustzentrum: Ganzheitliche Umsorgung bei Brustkrebs

Brustkrebs kann heute in vielen Fällen erfolgreich behandelt werden. Am Brustzentrum im Kantonsspital Baselland (KSBL) werden Betroffene von einem konstanten Team umsorgt – von der Diagnose über die Therapie bis hin zur Nachsorge. Diese kontinuierliche Begleitung ist für den Heilungsprozess zentral.

Auf der einen Seite ist da die nackte Zahl: 6300 Frauen erkranken jährlich in der Schweiz an Brustkrebs. Dahinter verbergen sich Schicksale. Denn obwohl 87% der Patientinnen nach fünf Jahren als geheilt gelten, löst die Diagnose Angst und Unsicherheit aus. «Für das erste Gespräch nehme ich mir genügend Zeit, da spielen psychische Faktoren eine grosse Rolle», erklärt Sonja Ebner. «Es braucht viel Fingerspitzengefühl. Die Patientin muss zudem genügend Zeit haben, um die Diagnose zu begreifen und Fragen zu stellen.» Seit 2016 führt die Gynäkologin die brustchirurgischen Operationen in der Frauenklinik Baselland durch. Rund 50 Kontakte pro Monat habe sie in der Sprechstunde. Dazu zählen auch Frauen, die mit gutartigen Befunden und Brustbeschwerden behandelt werden oder zur Nachsorge erscheinen. Die Frauen wüssten oft schon über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten Bescheid und möchten diese auch in Anspruch nehmen – und zwar möglichst ohne einen Ortswechsel. Am KSBL ist dies möglich. Betroffene werden von der Diagnostik über die Behandlung bis zur Nachsorge begleitet. Im Mittelpunkt stehen immer die Bedürfnisse und das Wohl der Patientinnen: «Für uns im Brustzentrum ist es wesentlich, dass wir das ganze Spektrum der Brustkrebsbehandlung anbieten können», sagt Sonja Ebner. Deshalb ist die Zusammenarbeit unter den Fachgebieten so wichtig.

Das Team im Brustzentrum ist breit aufgestellt: Nebst der leitenden Ärztin sind zwei Oberärztinnen der Frauenklinik Teil des Teams, die Radiologie, die Onkologie, die Pathologie, die Psychoonkologie und eine spezialisierte Pflegefachfrau, die Breast Care Nurse. Ausserdem arbeitet das Team eng mit der Physiotherapie und der Ernährungsberatung zusammen.

«Für uns ist es wesentlich, das ganze Spektrum der Brustkrebsbehandlung anbieten zu können.»

Dr. med. Sonja Ebner ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und arbeitet als Leitende Ärztin am KSBL.
Dr. Ebner hat in Freiburg im Breisgau (D) Medizin studiert und nach ihrem Abschluss von 2007 bis 2011 als Assistenzärztin in der Frauenklinik mit Brustzentrum Rheinfelden (D) gearbeitet. Die Gynäkologin kam 2013 als Assistenzärztin ans KSBL, wurde 2014 Oberärztin und ist seit 2017 Leitende Ärztin in der Frauenklinik. Sie gehört zudem zum Kernteam des zertifizierten Brustzentrums des Universitätsspitals Basel. 

Ansprechpartnerin für alle Sorgen

Wie wichtig das Team für den Behandlungserfolg ist, illustriert Sonja Ebner am Beispiel der Breast Care Nurse. Diese ist Ansprechpartnerin für alle Sorgen, Ängste und praktischen Fragen der Patientinnen und ihrer Angehörigen. Dabei geht es etwa um die Alltagsbewältigung, psychosoziale Belastungen und Rollenveränderungen in Familie und Beruf. «Ganz wichtig sind auch unsere Psychoonkologinnen », sagt Ebner. Auch sie stehen den Betroffenen und ihren Angehörigen zur Seite. «Ich weise immer wieder darauf hin, dass Betroffene diese Hilfe auch punktuell in Anspruch nehmen können», betont die Ärztin.

Individuelle Therapien

Während sie erzählt, wird deutlich, was für eine grosse Herausforderung eine Brustkrebserkrankung darstellt, auch wenn man sich heute hoher Behandlungserfolge erfreut. Für die Ärzteschaft sind daher stetige Weiterbildung und der fachliche Austausch essenziell. Für die Fallbesprechungen finden wöchentliche interdisziplinäre Tumorkonferenzen statt, an denen die Therapiekonzepte vor und nach dem Eingriff festgelegt werden. In den meisten Fällen erfolgt in einem ersten Schritt die operative Entfernung des Tumors, meist zusammen mit dem Wächterlymphknoten. Selten ist eine Operation der Achselhöhle notwendig. Bei diesem Eingriff wird versucht, die Brust zu erhalten. Gelingt dies nicht, gibt es Möglichkeiten für eine Rekonstruktion. Die weiteren Behandlungsschritte wie Bestrahlung, Chemo-, Antihormon- oder Immuntherapie folgen einem Therapiestandard, werden aber auch zunehmend individualisiert. «Nicht jede Betroffene profi tiert von derselben Behandlung», erklärt Sonja Ebner. Ausserdem entwickeln sich die Möglichkeiten stetig weiter, z.B. im Rahmen der Immuntherapie. Manchmal gibt es auch Patientinnen, wie sehr betagte Frauen, die eine Operation ablehnen.

Auch wenn sie sich immer wieder mit schwierigen Situationen konfrontiert sieht, sind Sonja Ebners Freude an ihrer Aufgabe und die Faszination für ihr Fachgebiet ungebrochen. «Ich habe die Möglichkeit zu helfen und erfahre dabei grosse Dankbarkeit.» Manche Patientinnen begleitet sie über Jahre hinweg, da entstehen auch menschliche Bindungen. «Das motiviert mich sehr.»  


Brustzentrum Baselland

Das Brustzentrum Baselland an der Frauenklinik des KSBL in Liestal umfasst ein achtköpfiges interdisziplinäres Team, das alle Brusterkrankungen – von der Diagnose über die Operation bis zur Nachsorge – behandelt. Das Brustzentrum ist Mitglied im Netzwerk des zertifizierten Brustzentrums des Universitätsspitals Basel. 


 

Dr. med. Sonja Ebner
Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
Leitende Ärztin

Tel. +41 (0)61 925 22 05
Mail

Frauenklinik Baselland
+41 (0)61 925 37 84
brustsprechstunde@ksbl.ch
www.ksbl.ch/brustzentrum


Der Artikel ist in der KSBL-Gesundheitszeitung medizin aktuell, Ausgabe Mai 2022 erschienen.

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